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Alina Grijseels: Wie Trauer eine Weltklasse-Spielerin formt

Alina Grijseels: Wie Trauer eine Weltklasse-Spielerin formt

Der Handball hat Alina Grijseels schon immer gehört. Aber erst als er ihr alles nehmen wollte — die Kraft, die Kontrolle, den Halt —, hat sie wirklich verstanden, wie sehr er ihr geben kann. Die Geschichte der heute 30-jährigen Spielmacherin aus Wesel ist nicht bloß die einer erfolgreichen Karriere. Sie ist die Geschichte einer Frau, die gelernt hat, dass sportlicher Triumph und tiefer persönlicher Schmerz nicht nur gleichzeitig existieren können — sondern dass das eine das andere auf erschreckende Weise verschleiern kann.

Eine Spielerin, die im Verborgenen trauerte

Im Frühjahr 2021 starb Alina Grijseels’ Lebensgefährte an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Er war nicht nur ihr Partner, sondern auch als Sportlicher Leiter und Sponsor eng mit dem Verein verbunden, dem sie bereits seit 2014 angehörte: Borussia Dortmund. Gut einen Monat nach seinem Tod stand Grijseels auf dem Spielfeld und holte mit ihrem Team die erste Deutsche Meisterschaft in der Vereinsgeschichte. Tragik und Triumph lagen nicht einen Kalendermonat auseinander.

Was von außen wie außergewöhnliche Stärke wirkte, war es in gewisser Weise auch — aber es war eine Stärke, die einen Preis hatte. In einem bemerkenswert offenen Interview mit dem BVB im Sommer 2025, kurz nach ihrer Rückkehr nach Dortmund, sprach Grijseels darüber, was in jenen Jahren wirklich passierte: „Es war so, dass es nach dem Tod meines Partners im Frühjahr 2021 sportlich für mich so gut gelaufen ist, dass dadurch auch einiges überdeckt worden ist.” Mit anderen Worten: Der Erfolg hatte die Trauer nicht geheilt — er hatte sie begraben.

Dieses Eingeständnis ist ungewöhnlich. Im Profisport gilt Stärke nach außen oft als Pflicht, und das Eingestehen emotionaler Schwäche als Risiko. Grijseels bricht dieses Muster auf — und gerade das macht sie zu einer der prägendsten Figuren im deutschen Frauenhandball.

Vom Niederrhein in die Welt des Handballs

Aufgewachsen in Wesel am Niederrhein, begann Alina Grijseels ihre Handballkarriere in den Nachwuchsvereinen der Region — TV Biefang, TV Aldenrade, TV Aldekerk, TuS Lintfort. Mit 18 Jahren wagte sie den Schritt zu Borussia Dortmund, die damals gerade in der zweiten Liga spielten. Was folgte, war eine neunjährige Beziehung zwischen Spielerin und Klub, die von gegenseitigem Wachstum geprägt war: Der BVB entwickelte sich zur Spitzenmannschaft der Bundesliga, Grijseels zur prägenden Spielmacherin Deutschlands.

Im März 2018 debütierte sie mit 21 Jahren in der A-Nationalmannschaft des DHB. Seitdem ist sie nicht mehr aus dem Kader wegzudenken. Im Juni 2021 ernannte sie der damalige Bundestrainer Henk Groener — gemeinsam mit Emily Bölk — zur Co-Kapitänin der deutschen Nationalmannschaft, eine Rolle, die sie bis 2025 ausfüllte. In dieser Zeit bestritt sie über 100 Länderspiele und warf mehr als 350 Tore für das DHB-Team.

Ihre Position als Rückraummitte macht sie zur Schaltzentrale des deutschen Spiels. Zentimetergenaue Pässe, überragende Übersicht, ruhige Entscheidungsfindung unter Druck — das sind die Qualitäten, die nicht nur Trainer, sondern auch Mitspielerinnen und Gegner beschreiben. In der EHF Champions League 2020/21 und 2021/22 gehörte sie zu den auffälligsten Spielerinnen auf europäischer Ebene.

Der lange Weg durch Trauer und Fremdheit

Was Grijseels’ Geschichte von der vieler anderer Athletinnen unterscheidet, ist nicht das Erlebnis des Verlustes selbst — Schicksalsschläge bleiben niemandem erspart —, sondern die Ehrlichkeit, mit der sie über den Bewältigungsprozess spricht.

Als sie im Sommer 2023 nach zehn Jahren BVB den Sprung ins Ausland wagte und zu Metz Handball in die französische Liga wechselte, erwartete sie einen sportlichen Aufbruch. Was sie stattdessen fand, war eine unerwartete Konfrontation mit dem, was sie in Dortmund hinter sich gelassen hatte — oder zu haben geglaubt hatte. In einem Interview mit dem Europäischen Handball-Verband (EHF) schilderte sie eine ihrer Bewältigungsstrategien, die sie aus Deutschland mitgenommen hatte: Wenn es ihr nicht gut ging, fuhr sie auf den Friedhof. Redete mit ihm. Ließ sich beruhigen. In Frankreich gab es keinen Friedhof. Und plötzlich fehlte die Strategie.

„Als ich nach Frankreich kam, wurde mir klar, dass mir der Halt im Privaten fehlt, weil es mir offenkundig privat nicht gut ging. Ich hatte mich in den Jahren zuvor in den Sport geflüchtet”, sagte sie. Diese Erkenntnis — dass man nicht durch Leistung heilen kann, sondern nur durch das tatsächliche Durchleben des Schmerzes — ist es, die Grijseels von einer Athletin zu einer Persönlichkeit macht.

Mit Metz gewann sie trotzdem das Double aus französischer Meisterschaft und Pokal, erreichte das Final-Four der Champions League. Nach einem Jahr in Frankreich wechselte sie zum rumänischen Meister CSM Bukarest. Auch dort wurde sie Titelträgerin. Die Stationen im Ausland hatten ihren Zweck erfüllt — sportlich wie persönlich.

Silber bei der Heim-WM 2025: Ein historisches Kapitel

Im Dezember 2025 schrieb das deutsche Frauen-Handball-Nationalteam Geschichte. Bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land, mitveranstaltet von Deutschland und den Niederlanden, kämpfte sich die DHB-Auswahl bis ins Finale vor. Dort verloren sie gegen Norwegen — aber allein das Erreichen des Endspiels war ein historischer Einschnitt: Es war das erste Mal seit 1994, dass Deutschland das Finale einer großen Handball-Weltmeisterschaft erreichte, und die erste Medaille seit 2007.

Für Grijseels war die Heim-WM ein besonderes Kapitel. Die Dortmunderin, die die WM-Hallen als ihr „Wohnzimmer” bezeichnete, war kurz vor dem Turnier nicht mehr als Kapitänin der Nationalmannschaft aufgestellt worden — Bundestrainer Markus Gaugisch hatte sie und Emily Bölk durch Antje Döll ersetzt. Eine Entscheidung, die im deutschen Handball viel diskutiert wurde. Doch Grijseels ließ Verbitterung keine Chance: Sie spielte, sie leistete, sie trug zur Silbermedaille bei.

Der Lohn war kollektiv, das Gefühl war privat: Eine Spielerin, die jahrelang in der Stille getrauert hatte, stand nun gemeinsam mit ihrem Land auf dem Podest.

Die Rückkehr nach Hause — mit anderen Augen

Im März 2025 gab Borussia Dortmund bekannt, was viele erhofft hatten: Alina Grijseels kehrt zurück. Einen Zweijahresvertrag bis 2027 unterschrieb sie beim BVB — dem Verein, bei dem sie zur Spielerin wurde, die sie ist. „Ich kehre sicherlich nicht zurück, um in der Bundesliga um Platz zwei oder drei zu spielen. Dafür ist mein Ehrgeiz viel zu groß”, ließ sie ausrichten.

Was die Rückkehr von einem bloßen Karriereschritt unterscheidet, ist das, was Grijseels darüber sagt, wie sie jetzt nach Hause kommt. Nicht als die Spielerin, die 2023 emotional Abschied nahm, noch von der Trauer geprägt und vom Sport als Schutzschild umgeben. Sondern als jemand, der die vergangenen zwei Jahre genutzt hat, um sich privat zu setteln — wie sie es selbst formuliert. „Du musst dich auch wieder privat setteln, um nicht vom Sport allein abhängig zu sein.”

Das ist der eigentliche Bogen ihrer Geschichte. Nicht der Aufstieg von der zweiten Liga zur Champions League. Nicht die Titel, die Kapitänsbinde, die Länderspielrekorde. Sondern das langsame, ehrliche Herauswachsen aus dem Schutzraum Sport — und die Erkenntnis, dass man ihn nur dann wirklich genießen kann, wenn man ihn nicht mehr braucht.

Was Alina Grijseels für den deutschen Frauenhandball bedeutet

Zweimal in Folge wurde Alina Grijseels zur Handballerin des Jahres gewählt — eine Auszeichnung, die sportliche Klasse honoriert. Doch ihre Bedeutung für den deutschen Frauenhandball reicht tiefer als Statistiken und Pokale.

Sie hat, in einem Sport, der in Deutschland immer noch um öffentliche Wahrnehmung kämpft, eine Persönlichkeit geformt, die den Frauenhandball sichtbar macht. Nicht durch Marketing, sondern durch Aufrichtigkeit. Ihre offenen Aussagen über Trauer, Heilung und die Grenzen des Sportes als Bewältigungsmechanismus sprechen Menschen an, die sonst wenig mit Handball verbinden. Das ist ein seltenes Geschenk.

Auf dem Spielfeld ist sie das, was Trainer einen „Taktgeber” nennen: Sie bestimmt das Tempo, sie liest das Spiel, sie findet die Mitspielerinnen im richtigen Moment. In über 100 Länderspielen hat sie bewiesen, dass diese Qualitäten auch unter dem größten internationalen Druck verfügbar sind. Für den BVB, der erneut unter Trainer Henk Groener — ihrem alten Weggefährten — spielen wird, ist ihre Rückkehr sportlich wie symbolisch ein Signal.

FAQ: Alina Grijseels

Wer ist Alina Grijseels? Alina Grijseels, geboren am 12. April 1996 in Wesel, ist eine deutsche Handballspielerin auf der Position Rückraummitte. Sie gilt als eine der besten Spielmacherinnen Europas und war von 2021 bis 2025 Co-Kapitänin der deutschen Nationalmannschaft.

Was hat Alina Grijseels bisher gewonnen? Grijseels gewann 2021 die Deutsche Meisterschaft mit Borussia Dortmund, 2023 die Bronze-Medaille in der EHF European League, 2024 das Double aus französischer Meisterschaft und Pokal mit Metz Handball sowie 2025 die Silbermedaille bei der Handball-Weltmeisterschaft mit dem DHB-Team.

Warum verließ Alina Grijseels Borussia Dortmund 2023? Nach neun Jahren beim BVB wechselte sie bewusst ins Ausland, um neue sportliche Erfahrungen zu sammeln. Rückblickend sprach sie offen darüber, dass der Wechsel auch dabei half, nach dem Tod ihres Partners im Jahr 2021 einen neuen persönlichen Halt zu finden — etwas, das sie in Dortmund noch nicht vollständig geleistet hatte.

Warum kehrte Alina Grijseels zum BVB zurück? Im März 2025 unterschrieb sie einen Zweijahresvertrag bis 2027 beim BVB. Grijseels erklärte, dass sie nicht zurückkomme, um Mittelmäßiges zu erreichen — ihr erklärtes Ziel ist erneut die Deutsche Meisterschaft. Darüber hinaus sei Dortmund für sie emotional Heimat, und die Zeit im Ausland habe ihr geholfen, dieses Zuhause mit anderen Augen zu sehen.

Warum wurde Alina Grijseels als DHB-Kapitänin abgelöst? Vor der Heim-WM 2025 entschied Bundestrainer Markus Gaugisch, Antje Döll als Kapitänin einzusetzen. Grijseels und ihre Co-Kapitänin Emily Bölk wurden in dieser Rolle abgelöst. Die Entscheidung wurde im deutschen Handball diskutiert, blieb aber ohne öffentliche Kritik seitens Grijseels — sie spielte die WM und gewann Silber.

Fazit

Alina Grijseels ist mehr als eine Weltklasse-Spielmacherin. Sie ist der Beweis dafür, dass sportliche Exzellenz und menschliche Verletzlichkeit kein Widerspruch sind — solange man bereit ist, beiden ehrlich zu begegnen. Ihre Rückkehr zu Borussia Dortmund ist kein einfaches Heimkommen. Es ist der Abschluss eines langen inneren Weges, den sie mit einer Offenheit beschritten hat, die im Profisport ihresgleichen sucht. Wer Handball mag, schaut auf ihre Pässe. Wer genauer hinsieht, sieht eine Frau, die gelernt hat, dass Stärke nicht darin besteht, den Schmerz zu überdecken — sondern ihn zu durchqueren.

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Karl Hoffmann

Karl Hoffmann ist Redakteur und Autor bei Taglichgedacht. Er schreibt über deutsche Prominente, Unterhaltung und Gesellschaft. Mit jahrelanger Erfahrung im Bereich Celebrity-Journalismus analysiert er die Geschichten hinter den Schlagzeilen — kritisch, fundiert und nah am Puls der Zeit.

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