Stay Connected

Gedacht Geschrieben Geteilt Täglich
Jack Draper 2026: Vom Top-5-Star zum Wiederaufbau-Projekt

Jack Draper 2026: Vom Top-5-Star zum Wiederaufbau-Projekt

Wer im Sommer 2025 auf die Weltrangliste schaute, sah Jack Draper auf Platz vier – höher als jeder britische Spieler seit Andy Murrays besten Jahren. Wer heute, ein Jahr später, denselben Blick wirft, findet ihn weit außerhalb der Top 100 wieder. Genau diese Achterbahnfahrt macht Jack Draper gerade zu einer der spannendsten Geschichten im Männertennis – nicht trotz, sondern wegen der Rückschläge.

Der Höhenflug, der alles veränderte

Draper, geboren am 22. Dezember 2001 in Sutton bei London, war lange als talentierter, aber verletzungsanfälliger Linkshänder bekannt. Im Frühjahr 2025 änderte sich das schlagartig: Mit dem Sieg beim BNP Paribas Open in Indian Wells holte er sich seinen ersten Masters-1000-Titel und besiegte dabei unter anderem Carlos Alcaraz auf dem Weg ins Finale, das er gegen Holger Rune gewann. Wenig später, am 9. Juni 2025, erreichte er mit Platz vier seine bis heute beste Weltranglistenposition. Bereits 2024 hatte er mit dem Halbfinale der US Open gezeigt, dass sein druckvolles Spiel – kraftvoller Aufschlag, schwere linke Vorhand, zunehmend stabilere Defensive – auf Grand-Slam-Niveau funktioniert.

Diese Phase war kein Zufallserfolg. Sie war das Resultat jahrelanger Arbeit, auch unter seinem damaligen Trainer James Trotman, mit dem Draper seit 2021 an der National Tennis Centre in Roehampton zusammenarbeitete, sowie unter Fitnesstrainer Dejan Vojnović, den er 2023 engagierte, um seinen Körper besser auf die Belastungen der Tour vorzubereiten.

Der Bruch: Eine Armverletzung wirft alles zurück

Genau dieser Körper machte dann nicht mehr mit. Im Spätsommer 2025 zwang eine Armverletzung Draper zum Rückzug aus der US Open, kurz nach einem Erstrundensieg. Anfang September musste er öffentlich machen, dass die Verletzung schwerer war als gedacht und ihn für den Rest der Saison 2025 außer Gefecht setzen würde. Die Folge: kein Antritt bei den ATP Finals, eine Absage für die Ultimate Tennis Showdown im Dezember – und schließlich auch der Verzicht auf die Australian Open im Januar 2026, weil der Arm noch nicht ausgeheilt war.

Für einen Spieler, der seine besten Resultate gerade erst eingefahren hatte, bedeutete das eine doppelte Belastung: körperliche Rehabilitation einerseits, ein schmelzendes Punktekonto andererseits. Im ATP-Ranking werden Punkte aus dem Vorjahr nach und nach gestrichen, wenn keine neuen nachkommen – und genau das passierte Draper in monatelanger Zwangspause.

Die Zahlen hinter dem Absturz

Wie drastisch dieser Effekt war, zeigt ein Blick auf die reinen Ranglistendaten. Im November 2025 stand Draper noch bei Platz 11 mit knapp 2.990 Punkten. Im Februar 2026, kurz vor seinem Comeback, war er auf Platz 13 mit 2.790 Punkten – noch komfortabel in den Top 20. Doch dann beschleunigte sich der Fall: Im Mai 2026 war er bereits auf Platz 50 mit nur noch 960 Punkten abgerutscht, im Juni 2026 schließlich auf Platz 131 mit gerade einmal 460 Punkten. Das ist ein Verlust von rund 90 Plätzen innerhalb weniger Monate – ein Tempo, das selbst für verletzungsgeplagte Top-Spieler ungewöhnlich ist.

Sein Comeback begann im Februar 2026 nicht auf der Tour, sondern im Davis Cup: Draper gewann in Oslo sein Einzel gegen Norwegens Viktor Durasovic glatt in zwei Sätzen, während Großbritannien insgesamt 4:0 siegte. Es war ein vorsichtiger erster Test, gefolgt von einem Rückzug aus Rotterdam zur weiteren Schonung. Erst in Dubai trat er wieder bei einem ATP-Tour-Turnier an – sein erstes seit sechs Monaten – und schlug dort Quentin Halys, bevor er Arthur Rinderknech unterlag.

Indian Wells als Belastungsprobe – und Rückschlag in Serie

Besonders aufschlussreich war die Titelverteidigung in Indian Wells im März 2026, wo Draper als Nummer 14 gesetzt 1.000 Punkte aus dem Vorjahr zu verteidigen hatte. Mit Siegen über Roberto Bautista Agut, den 19. Gesetzten Francisco Cerúndolo und sogar gegen Novak Djokovic im Achtelfinale zeigte er, dass sein Tennis noch immer Weltklasse sein kann. Das Aus kam erst im Viertelfinale gegen Daniil Medvedev, begleitet von einer kontroversen Hinderniss-Entscheidung gegen ihn. Da er die vollen 1.000 Punkte aus 2025 dennoch nicht halten konnte, schlug sich das hart im Ranking nieder.

Danach riss die Pechsträhne nicht ab: In Miami verlor er als 25. Gesetzter überraschend früh gegen Reilly Opelka in zwei Tiebreaks. Monte Carlo musste er wegen einer Knochenprellung im linken Arm komplett auslassen. Und beim Saisonstart auf Sand in Barcelona musste er sein Erstrundenmatch gegen Tomás Martín Etcheverry wegen einer Knieverletzung im dritten Satz aufgeben. Jede dieser Absagen bedeutete weitere verlorene Punkte, ohne dass neue nachkamen – der eigentliche Mechanismus hinter dem dramatischen Fall auf Platz 131.

Neuaufbau mit prominenter Verstärkung

Parallel zum sportlichen Tief vollzog Draper einen personellen Umbruch. Im Oktober 2025 wurde bekannt, dass Jamie Delgado, einst Coach von Andy Murray, ab 2026 Drapers neuer Cheftrainer werden sollte, während Trotman sich zunächst zurückzog und das Team kurz darauf ganz verließ. Im Mai 2026, rechtzeitig zur Rasensaison, kam dann eine weitere Verstärkung hinzu: Andy Murray selbst schloss sich Drapers Trainerteam an. Die beiden Briten kannten sich bereits gut, und Murrays Erfahrung mit genau jener Kombination aus Verletzungsrückkehr, öffentlichem Druck und Erfolgen in Wimbledon dürfte für Draper in dieser Phase besonders wertvoll sein.

Dass ausgerechnet zur Rasensaison ein Spezialist wie Murray dazustößt, ist kein Zufall: Wimbledon ist traditionell das Turnier, bei dem britische Hoffnungen am größten sind, und für Draper bietet die Saison auf Gras eine reale Chance, durch starke Ergebnisse einen Teil der verlorenen Punkte zurückzuholen, bevor im Spätsommer erneut große Mengen an Vorjahrespunkten zur Disposition stehen.

Häufig gestellte Fragen zu Jack Draper

Wer ist Jack Draper?
Jack Draper ist ein britischer Profitennisspieler, geboren am 22. Dezember 2001 in Sutton, London. Er spielt linkshändig, erreichte im Juni 2025 mit Weltranglistenplatz vier seine bislang beste Position und gewann 2025 seinen bisher größten Titel bei den Indian Wells Masters.

Was war Jack Drapers größter Erfolg bisher?
Sein bislang größter Titel ist der Sieg beim BNP Paribas Open in Indian Wells 2025, ein ATP-Masters-1000-Turnier, bei dem er im Finale Holger Rune besiegte. Zusätzlich erreichte er 2024 das Halbfinale der US Open.

Warum ist Jack Draper in der Weltrangliste so weit abgerutscht?
Eine schwere Armverletzung im Spätsommer 2025 zwang ihn zu monatelanger Pause, in der auslaufende Vorjahrespunkte nicht durch neue Ergebnisse ersetzt werden konnten. Weitere Rückschläge 2026, darunter eine Knochenprellung und eine Knieverletzung, verstärkten den Punkteverlust zusätzlich.

Wie sieht Jack Drapers aktuelles Trainerteam aus?
Seit 2026 wird Draper von Jamie Delgado betreut, der zuvor Andy Murray trainiert hatte. Zur Rasensaison 2026 stieß zudem Andy Murray selbst zum Team hinzu, um Draper insbesondere bei seinem Comeback und der Vorbereitung auf Wimbledon zu unterstützen.

Wann kann Jack Draper wieder in die Top 20 zurückkehren?
Eine genaue Prognose ist nicht möglich, doch die Rasensaison 2026 gilt als realistisches Sprungbrett, da Draper hier traditionell stark spielt und gleichzeitig wenig Punkte aus dem Vorjahr zu verteidigen hat, was schnelle Ranglistensprünge bei guten Ergebnissen begünstigt.

Fazit

Jack Drapers Geschichte 2025/26 ist kein einfacher Erfolgsbericht und auch kein reiner Verletzungsdrama – sie ist beides zugleich, und genau das macht sie lesenswert. Wer nur auf die aktuelle Platzierung schaut, sieht einen abgestürzten Spieler. Wer den Verlauf von Indian Wells bis zur Rückkehr mit Andy Murray an seiner Seite verfolgt, sieht einen Athleten, der sein Potenzial bereits bewiesen hat und nun mit erfahrener Unterstützung den Weg zurück sucht. Die kommenden Monate auf Rasen werden zeigen, ob aus dem Wiederaufbau erneut ein Top-Comeback wird.

Aktuelle Blogbeiträge: Stefanie Giesinger Freund

Karl Hoffmann

Karl Hoffmann ist Redakteur und Autor bei Taglichgedacht. Er schreibt über deutsche Prominente, Unterhaltung und Gesellschaft. Mit jahrelanger Erfahrung im Bereich Celebrity-Journalismus analysiert er die Geschichten hinter den Schlagzeilen — kritisch, fundiert und nah am Puls der Zeit.

×